Jesko Johannsen

Die Rolle der Presse in der Entwicklung Zimbabwes

Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades eines Magister Artium (M.A.) an der Freien Universität Berlin
Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft
März 2004


Zentrale Erkenntnisse und Thesen


1. Pressefreiheit wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der African Charta on Peoples and Human Rights, wenn auch vor unterschiedlichem historischen Hintergrund, als Menschenrecht eingeräumt. Die Umsetzung ist aber vom politischen System und der Demokratisierung des jeweiligen Landes abhängig.

2. Medien haben in Demokratien zwei zentrale Aufgaben: Information und Kritik

3. Freiheitsgarantie von Medien kann diese Funktionen stärken.

4. Schwierig stellt sich die Situation der Medien in Afrika dar. Ihre Unabhängigkeit muss stärker gefördert werden, damit sie ihre Funktion wahrnehmen können.

5. Obwohl die schwarze Bevölkerung Zimbabwes zur Unabhängigkeit in einer schwierigen Situation war, setzte sich die neue Regierung für eine Politik der Versöhnung ein.

6. Beobachter bewerten Robert Mugabe schon lange als schwierigen Charakter.

7. Schon früh war erkennbar, dass in Zimbabwe ein Einparteienstaat etabliert werden sollte, was aber formal nicht umgesetzt wurde. Dennoch wurde das Land zu einer Diktatur.

8. 1997 beginnt das Land zu kollabieren. Grund sind die Intervention im Kongo, die ungelöste Landfrage und die beginnenden Farminvasionen durch Kriegsveteranen.

9. Die Wahlen 2000 und 2002 waren weder frei noch fair. Mugabe befürchtete eine Niederlage und baute deshalb seinen Unterdrückungsapparat aus.

10. Die Verfassung garantiert keine allgemeine Presse- und Meinungsfreiheit.

11. Die Gesetze schränken die freie Arbeit der Journalisten ein und schaffen eine rechtlich unsichere Basis für deren Arbeit.

12. Die Regierung setzt ihre Gesetze sehr oft gegen Journalisten ein, hat aber nicht immer Erfolg damit.

13. Sowohl im elektronischen wie auch im Printbereich haben sich in den 90er Jahren zunehmend unabhängige Medien entwickelt.

14. Mehrere internationale elektronische Medien stehen mit ihrem Programm für Zimbabwe im Widerstand zu Zimbabwe.


Bezüglich der gegenseitigen Einflüsse von Politik und Medien konnte festgestellt werden:

1. Mugabes Medienpolitik zielt auf inhaltliche und rechtliche Kontrolle ab. Als Ergebnis lassen sich bei regierungstreuen und unabhängigen Medien teils starke Unterschiede in der Themenagenda feststellen.

2. Die rechtlichen, materiellen und physischen Maßnahmen gegen Journalisten begrenzen die professionellen Möglichkeiten und machen journalistische Tätigkeit zu einer Gefahrenzone.

3. Das Verfassungsreferendum 2000 war ein entscheidender Wendepunkt für den zunehmenden Einfluss der unabhängigen Medien.

4. Nationale wie internationale Medien und Journalisten sind Opfer der politischen Einflussnahme

5. Dennoch konnten sich einige Medien gegen Verbote durchsetzen.

6. Ereignisse wie der Willowgateskandal und andere Momente haben gezeigt, dass die Politik nicht frei von Einfluss durch die Medien ist.

7. Die Presse hat die Entwicklung des Landes beeinflusst und auch einen Beitrag zur bisherigen Demokratisierung geleistet. Jetzt muss sie ihrer Verantwortung voll gerecht werden.

8. Dazu benötigt sie einen rechtlichen Rahmen, der freie Arbeit ermöglicht und keine Unterschiede zwischen verschiedenen Medien fördert.

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